2 September 2012

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Telekom und Spotify – erster Schritt in Richtung Paid Internet?

Die Ankündigung der Telekom auf der Internationalen Funkaustellung wäre kaum der Rede wert: Man woll künftig in einer Kooperation mit dem Online-Musikdienst Spotify zusammenarbeiten. Ab Oktober 2012 können Telekom-Kunden einen neue (kostenpflichtige) Option buchen, mit der sie direkt auf Spotify zugreifen und Musiktitel per Handy laden können. Solche Kooperationen gab es schon öfters und gerade Musik und Handy wurden auch schon bei anderen Anbietern (beispielsweise Vybemobile im Netz von Eplus) miteinander angeboten.

Trotzdem sorgt das neue Angebot der Telekom für einige Empörung. In verschiedenen Blogs (beispielsweise hier und hier) wurde das Angebot sehr kritisch betrachtet und selbst auf Spiegel Online gab es einen Artikel, der die Kritik am Vorgehen der Telekom aufgriff.

Grund dafür war ein Passus bei den Regelungen der Kooperation. Die Telekom rechnet das Datenvolumen von Spotify nicht mehr auf die normalen Datenflatrates an, wenn die entsprechende Option gebucht ist. Der Spotify Traffic muss also nicht extra gezahlt werden.

Was ist mit der Netzneutralität?

Damit verstößt die Telekom gegen die Netzneutralität, die vorsieht, dass alle Daten im Internet von den Providern gleich behandelt werden müssen. Vorzugsbehandlungen einzelner Anbieter (auch gegen Geld) bedeutet, dass alle Dienste, die sich so einen Deal zukünftig nicht leisten können, Nachteile im Internet haben werden.

Jens Best schreibt dazu auf seinem Blog:

Dem Deal Telekom/Spotify wurde ein Element untergeschoben, dass die Konsumenten hinsichtlich eines freien innovationskräftigen Internets, wie wir es seit seiner Anfangszeit kennen, betrügt. Der Daten-Bevorzugungs-Aspekt ist eine subtile Methode der Öffentlichkeit den Bruch der Netzneutralität als einen Gewinn zu verkaufen. Dieser Gewinn ist nur scheinbar und von kurzfristiger Natur. Netze ausbauen statt Netzneutralität mit Marketing-Talk zu vernebeln ist die Aufgabe der Stunde für die Telekom.

Das neue Angebot ist damit ein Tabubruch in Deutschland und ein relativ offensichtlicher noch dazu. Selbst wenn man positiv an die neuen Regelungen heran geht: Muss man zukünftig den Telekommunikations-Anbieter danach aussuchen, welchen Musik-Dienst man nutzt? Und was geht es den Provider an, welche Daten über das Netz ausgetauscht werden? Die Post schaut ja immerhin auch nicht in die Briefe um zu sehen ob etwas schneller befördert werden muss.

Darüber hinaus wird auch die bisherige Agrumentation der Telekom in Frage gestellt. Bislang verkaufte man den Kunden gedrosselte Flatrates mit dem Hinweis, dass man sich nur so vor einer Überlastung der Mobilfunk-Netze schützen könne. Das scheint nicht mehr notwendig, wenn man sich anschaut, dass man die Daten von Spotify wohl ohne Drosselgrenze wird laden können. Waren die Drosselungen der Datentarife damit nur vorgeschoben um die teuren Tarif mit mehr Volumen verkaufen zu können?

Die Telekom stellt mit dem neuen Angebot auf jeden Fall viele bisherige Regelungen in Frage. Ob sich das lohnt angesichts eines Angebots, das wohl nicht extrem viel Gewinn abwerfen wird, darf bezweifelt werden.

UDATE: Sipgate mit ein paar Hintergründen, wie die Telekom mit anderen Mitbewerbern umgeht.

Mehr zur Kooperation direkt bei der Telekom

http://www.t-mobile.de/spotify
http://www.telekom.com/medien/konzern/151864

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